DIE ALTERSFRAGE

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50 ist das neue 30. Sagen die anderen. Das hilft mir jetzt aber auch irgendwie nicht weiter. Danach fühlt es sich nämlich auch nicht an.

Gerade habe ich es wieder gelesen, in einem dieser Lifestyle-Hochglanzmagazine der Kategorie FIT und SCHÖN und FOREVER JUNG, KNACKIG und REICH. 50 ist das neue 30. 40 ist das neue 20. Je älter Frau wird, desto jünger soll sie heutzutage wirken. Selbst 70 ist das neue 50. Alt ist das neue Jung. Alles nur eine Frage des Styles. Vor sich Hininfluenzende Endvierziger:innen bzw. Mittfünfziger:innen machen es schliesslich vor. Ganz einfach also das mit dem Altwerden.

Aber ist das wirklich so? Oder machen wir uns da nur was vor? Alt ist das neue jung: echt jetzt?
Meine persönliche Erfahrung, falls es jemanden interessiert. Das ist alles glatter Selbstbeschiss. Zuzüglich ein bisschen Botox und einem richtig guten Fotofilter.

Ich kämpfe schon seit längerem mit diesem Ding – diesem Älter werden. Meine Gedanken kreisen um dieses Thema wie die Fliegen um Sch… Vielleicht nehme ich doch besser einen anderen Vergleich. Wir wollen das Niveau ja nicht gleich im ersten Abschnitt auf ein Minimum senken, oder?

Jeden verdammten Morgen, wenn ich in den Spiegel gucke, wird mir wieder und wieder bewusst, dass ich einfach keine 20 mehr bin. Das ist jetzt grundsätzlich kein Beinbruch. Man kann schliesslich nicht sein ganzes Leben 20 sein. Und will man ja auch garnicht wenn man ehrlich ist. Aber auszusehen wie 20 wäre schon nicht schlecht. Zumindest bis man 100 ist. Also ich hätte nichts dagegen.

Aber so läuft das mit dem Altwerden leider nicht. Ich habs versucht, aber den Aufwand kann man vergessen. Egal wie sehr man sich auch Mühe gibt, man schafft es einfach nicht, dieses straff, glatt und frisch zu konservieren. Spart euch die Arbeit. Am Ende sieht man, dass man älter geworden ist. Immer. Jeder. So ist das einfach.

Da kann man cremen und tupfen was das Zeug hält. Färben, überpinseln, retuschieren, basteln, spachteln, kämmen, lackieren, ölen, schmieren, kleben.

Beim Blick in den Spiegel ist am Ende ja doch letztendlich irgendwo noch eine Stelle, die einem den Tag versaut.

Irgendeine Stelle gibt es immer, die man nicht mehr schön kriegt. Egal wie sehr man drüberprimert und filtert. Immer! Da können wir uns noch so bemühen und soviel Geld ausgeben in Höhe des mittleren Bruttoinlandsproduktes eines Kleinstaates. Am Ende nutzt es doch nichts.

Denn irgendwo auf der Welt gibt es immer jemanden, der besser aussieht. Und jünger. Der frischer wirkt oder einfach die besseren Filter nutzt. Oder schlicht und einfach fotogen ist. Wir verlieren also immer!

Und was wir dabei zusätzlich gerne vergessen: Nichts lässt einen älter aussehen als der verzweifelte Versuch, für immer jung auszusehen.

Ich habe keine Tipps fürs Älterwerden. Man wird es einfach. Und das nicht allmählich sondern in Schüben. Also nichts mit langsam reinwachsen in die Materie. Man steht morgens auf. Guckt in den Spiegel. Und möchte wieder zurück ins Bett. Decke drüber. Beamen erfinden. Nichts mit Krönchen richten und weiter. Schön wärs. Aber so läuft das nicht.

Hey! What if I tell the truth – to myself!?

Genau aus diesem Grund muss ich es mir eingestehen.

Ich glaube genau heute ist es so weit. Heute muss ich es mir einfach mal sagen. Aus Gründen. Es ist allerdings nicht so einfach. Aber es muss sein. Es wird Zeit.

Moment. Vorher noch schnell einen extra Schluck Mut aus der Proseccoflasche! Was muss das muss. Ok. Es ist weder Prosecco noch aus der Flasche. Es ist Sekt. Aus dem Glas. Man ist ja schliesslich gut erzogen und will das Niveau, Niedergeschlagenheit hin oder her, nicht noch unnötig weiter senken. Wenngleich das in meiner derzeitigen Verfassung auch schon egal wäre. Ein Schluck aus der Flasche würde gerade einfach besser passen. Mut antrinken will immerhin gelernt und gut durchdacht sein. Und da würde ein grosser Schluck direkt aus der Flasche gerade eben aus nachvollziehbaren Gründen genau betrachtet sogar durchaus angemessen sein.

Ach egal. So. Einmal tief Luft geholt. Ich trau mich. Sag es jetzt einfach mal. Nutzt ja nichts. 
Irgendwann kommt es ja doch raus.

Ich bin keine 20 mehr. Und auch keine 30. Ach du meine Güte.

Mit Filter gehts eigentlich.

So weit ist es also schon. Ich brauche einen Weichzeichner.

Ich bin über 40! Also forty-something.

Ich gehe langsam und tatsächlich unaufhaltsam konsequent auf die 50 zu. 
Tadaa! So! Es ist gesagt. Ich werde nicht nur älter, ich werde alt. Ich BIN alt. Zumindest ganz kurz davor. Neue 30 oder neue 40 hin oder her. Alles Kokolores. In meinem Pass steht nämlich leider was anderes.

Das mit dem Älterwerden hatte ich mir tatsächlich irgendwie anders vorgestellt!

OMG!

Wohin kann ich mich wohl mal eben schnell übergeben? Einziger Vorteil. Solange man älter wird, ist man noch nicht tot. Yay! Wieso mich das jetzt nur mässig positiv stimmt, ist keine ernstgemeinte Frage. Es ist eine Tatsache, der ich ins Auge blicken sollte. Von müssen kann schliesslich keine Rede sein. Schliesslich kann ich weiterhin so tun, als wäre nichts. Aber dann darf ich auch ab sofort nicht mehr in den Spiegel gucken und bleibe am besten liegen. Dann fällt das mit den Falten, der Schwerkraft und den kleinen Zipperlein nicht mehr wesentlich auf. Aber ist leider keine Lösung.

Alter Falter. Ich werde tatsächlich alt. Ich fasse es nicht. Aber es nutzt alles nichts. Es muss mal raus.

Und es war gar nicht mal so leicht. Und ehrlich gesagt bin ich tatsächlich selbst durchaus ein wenig erschüttert. Ich kann mich mit diesen Zahlen einfach überhaupt nicht identifizieren. 40 ging eigentlich gerade noch so. Und alles was darüber ist lässt sich tapfer durchstehen. 50 ist jedoch noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Finde ich. Das ist irgendwie eine magische Grenze. Aber es ist nun einmal wie es ist. Da gibt es auch nichts schön zu reden. Und auch wenn ich noch einige Jahre Zeit habe bis dahin (eiskalt gelogen, es sind nur noch zwei Jahre), so ist es doch absehbar, dass dieses Jahrzehnt das nächste sein wird, das mich erwartet.

30 zu werden war überhaupt nicht schlimm. 40 fand ich auch nicht weiter tragisch. Ich wurde weiterhin auf Mitte 20 geschätzt. Maximal Anfang 30. Damit kann man gut leben. Da ist die Zahl im Pass doch sofort Nebensache. Man ist eben wieder ein bisschen älter. Aber kaum der Rede wert. Solange optisch kein Unterschied festzustellen ist, scheint alles im grünen Bereich.
Und dennoch macht man sich nur etwas vor.

Denn mal ehrlich. In Zeiten von Social-Media ist es für jemanden wie mich, die doch tatsächlich noch mit Wählscheibentelefon und drei Fernsehprogrammen ohne Fernbedienung aufgewachsen ist, manchmal durchaus ganz schön verstörend, plötzlich der ganzen Welt online beim Leben leben zugucken zu können. Und dieses Zuguckenkönnen und somit der Vergleich mit anderen tut nicht immer gut. Zu sehen wie alle anderen scheinbar nicht altern macht es da auch nicht unbedingt leichter für einen selbst. Auch wenn man genau weiss, dass das Leben und die Schönheit der anderen dank diverser Filterapps nur Illusion ist.

Am Ende glaubt man ja doch nur was man sieht.

Egal wie alt man ist und wie klug und gelassen man eigentlich entsprechend seines fortgeschritteneren Alters auch sein sollte. Man ist es nicht. Guckt in den Spiegel und ist unglücklich. Man weiss es besser und blendet dieses Wissen erfolgreich aus. Mit dem Ergebnis, dass man eben doch glaubt, was man sieht.

Früher war das anders.

Früher kam einem das eigene Leben nicht so schlecht vor. Aus dem einfachen Grund, weil man eigentlich gar nicht so genau wusste, wie der Rest der Welt lebte. Man hatte kaum Vergleich. Und so war vieles zwar nicht perfekt aber doch ganz okay so wie es war. Zumindest dachte man das. Einfach, weil man keinen Vergleich hatte.

Früher fand das Leben der anderen hinter verschlossenen Türen statt. Dahinter war Privatsphäre. Keiner wusste so recht, was hinter diesen Türen wirklich vor sich ging. Und das war auch ganz gut so.

Heute ist das fast unvorstellbar. Nur weil eine Tür zu ist und die Vorhänge zugezogen sind heisst das in unserem Social-Media Follower und Like Wettbewerbsdasein noch lange nicht, dass nicht die halbe Welt trotzdem reingucken kann. Heute gucken wir alle den Anderen beim Leben, Atmen, Essen oder Altern zu. Ob wir wollen oder nicht.

Social-Media hat unser Leben grundlegend verändert.

Und das nicht gerade zum Positiven. Social Media macht das Leben nicht gerade einfacher. Es wäre ja vielleicht grundsätzlich alles gar nicht mal so schlimm, wenn all diejenigen, die uns in ihr Leben schauen und daran teilhaben lassen, ihr Leben genau so zeigen würden, wie es denn auch wirklich ist. Doch so macht das halt kaum einer. Die allermeisten Leben werden gefiltert. Geschönt. Gut ausgeleuchtet. Glattgestrichen. Schmalgeschummelt. Mit Farben und Glow weichgezeichnet. Und am Ende auch noch retuschiert. Und genau das ist das Problem. Denn genau das macht es allen anderen so schwer. 

Egal ob wir 15, 25, 35 oder 45 sind. Wir sind immer unsicher.

Das älter werden lässt mich jedenfalls nicht schlauer werden. Und auch nicht entspannter. Im Gegenteil. Ich bin eher irritiert. Angespannter als je zuvor. Und frustriert. Weil ich es scheinbar nicht so hinkriege wie alle anderen. Zu doof dafür bin. Egal, wie alt ich bin. Dabei scheint es doch so einfach zu sein. Die anderen schaffen das doch scheinbar auch. Das mit dem Schönsein, dem Jungbleiben und dem Erfolg haben.

Obwohl wir wissen, dass das meiste davon Fake ist, und wir es selbst vielleicht sogar ganz genau so machen oder sogar noch besser, sind wir geblendet vom Leben, der Schönheit, vom Reichtum und den Followerzahlen der anderen. Weil bei den anderen alles immer irgendwie besser und reicher und schöner und bunter zu sein scheint.

Das Gras hinterm Zaun ist eben doch immer etwas grüner.

Blöderweise lassen uns alle anderen genau das auch glauben. Und genau deswegen sehen wir alles um uns herum auch nicht so wie es wirklich ist.

Wir sind geblendet und fast schon darauf konditioniert, quasi süchtig, wissen zu müssen, was die anderen gemacht, gepostet, erlebt haben. Und wie sie dabei aussehen. Von #wiwt über #ootd bis hin zu #wokeuplikethis – wir glauben das alles. Und verfallen in Zugzwang.

Wir sehen retuschierte Popos von 50-jährigen Ladies. Glatt, straff, fest. Glauben, dass das so sein muss. Und sind unglücklich, weil unser Popo im Badezimmerspiegel ganz anders aussieht. Und verstehen nicht, warum das so ist.

Obwohl wir doch auch ganz ganz ganz viel Wasser trinken, ständig Avocados und Porridge essen, uns viel bewegen und natürlich brav eincremen. Wir kaufen uns dieselben Klamotten, essen dasselbe Superfood, benutzen dieselben Töpfchen und Tiegelchen fürs Gesicht und den ganzen Rest, genau so wie all diese Influencer mit all diesen Werbeverträgen – und der Spiegel zeigt uns trotzdem ein anderes Ergebnis als versprochen und gewünscht.

Und wir bleiben frustriert zurück.

Was stimmt denn nicht mit uns? Und wieso um alles und er Welt sind plötzlich alle Influencer?

Also mein Körper hat angefangen, ein Eigenleben zu führen. Und ich bin davon wenig begeistert. Ich weiss auch gar nicht so genau, wann er damit angefangen hat. Eines Morgens bin ich aufgestanden, hab mich im Badezimmerlicht betrachtet und bin fast vom Stuhl gefallen, auf dem ich nicht einmal sass. Da war sie, diese Cellulite. Über Nacht scheinbar aus dem Nichts hat sie mir seitdem jeden einzelnen Tag versaut. Und die Figur. Und mein Selbstwertgefühl. Und mir eine mittelschwere depressive Verstimmung aufgedrückt. Diese blöde Kuh.

Älter werden ist out. Heute sehen wir diesen Jugendwahn, diese fitten Menschen und diese gesunden, straffen, strahlenden Frauen überall.

Und flippen innerlich förmlich aus. Früher war da ein Model auf einer Plakatwand. Unerreichbar. Aber wir wussten auch, dass das nicht das wahre Leben ist. Wir wussten, dass es Stylisten und Visagisten gibt, Profifotografen mit Profikameras und guter Beleuchtung. Und wir wussten, dass das Bild auf dem Plakat nicht der Realität entsprach und selbst das Model darauf sich selbst im wahren Leben kaum ähnlich sah. Und uns war natürlich klar, dass kaum ein Lieschen Müller diese Perfektion erreichen konnte. Was deswegen sehr beruhigend war. Irgendwie.

Heute scheint das anders zu sein. Heute scheint es zum Standard zu gehören, dass jedes Lieschen Müller nicht nur so aussehen kann wie das Model auf dem Plakat, sondern scheinbar tatsächlich so aussieht. Zumindest lassen uns alle anderen das denken.

Unerreichbarkeit scheint plötzlich der neue Standard zu sein.

Und wer nicht mitspielt fällt durchs Raster. Mehr denn je. Wir fühlen uns abgehangen und ein bisschen gemobbt ohne dass wir dafür überhaupt noch auf die Strasse zu gehen brauchen. Influencer haben einen schlechten Einfluss auf die eigene Psyche.

Was ich dabei am allermeisten verstörend finde ist die Tatsache, dass ich ja eigentlich genau weiss, dass vieles von dem, was wir online zu sehen bekommen, nicht echt ist. Schliesslich bin ich alt genug um das alles zu verstehen. Und dennoch bin ich verunsichert, weil ich mich verunsichern lasse.

Obwohl ich es besser weiss, lasse ich mich blenden. Mit einem “So what!” ist es da nicht getan.

Ich lasse mich einlullen, von der ewigen Jugend und dem scheinbar ewigen Schönsein der anderen. Alle anderen sind immer schlanker, reicher, hübscher, erfolgreicher, haben es geschafft. Nur ich selbst nicht. Ich weiss, dass das Blödsinn ist und nicht der Realität entspricht. Aber je älter ich werde desto schwieriger finde ich es bei all dem Blödsinn mitzumachen und zu verstehen, wieso die Welt überhaupt so tickt, wie sie tickt. Und obwohl ich älter werde und es besser wissen müsste – und vor allem auch darüber stehen sollte – bin ich gestresst, weil ich mich stressen lasse. Weil ich auch so reich und schön und jung und schlank sein und vor allem so toll leben will wie all die anderen? Wahrscheinlich. Und obwohl ich weiss, dass das meiste davon nicht der Realität entspricht, fühle ich mich trotzdem so wie jemand, der nichts hinkriegt und nichts kann.

Mir ist natürlich klar wie albern das ist. Aber ich kann solche automatisierten Gedankengänge trotz Lebenserfahrung nicht abschalten. Und bin frustriert weil ich mich von so einem Quatsch überhaupt beeindrucken lasse. Aber kein Wunder, scheint es doch schliesslich für alle anderen so einfach zu sein, nur eben für mich nicht.

so what!

Und ja – natürlich weiss ich, dass diese Gedanken blöd sind. 

Aber früher musste man sich eben nur mit diesen paar wenigen Supermodels auf Plakaten messen. Heute hat man das Gefühl die ganze Welt ist schön, gross, schlank, fit, reich und jung.
Man hat das Gefühl in der heutigen Gesellschaft, auch wenn sich zu früher mittlerweile doch auch vieles zum Guten gewandelt hat, dass es ein Manko ist, alt zu sein. Keiner will so richtig zugeben wie alt er wirklich ist.

Aber warum eigentlich? Wenn ich dieses 40 ist das neue 20. 50 das neue 30. 70 das neue 50 von allen Seiten höre, ist es doch kein Wunder, dass man sich für sein Alter fast schon schämt. Was ist man in dieser Rechnung eigentlich, wenn man 20 oder 30 ist? Egal. Ist sowieso bescheuert.

Ich nehme das mit dem Älter werden im Alltag anders wahr.

Natürlich bin ich froh, dass man heute nicht mehr 50 ist, wenn man 50 ist. Obwohl man nun einmal 50 ist wenn man 50 ist. Aber es stimmt schon – in meiner Kinderheit waren 40-jährige schon jenseits eines Alters, das man auch nur annähernd als jung bezeichnet hätte. Das war einfach alt. Und 50 uralt. Und alles drüber Opa und Oma. So war das einfach. Und man hätte sich niemals vorstellen können, dass die eigene Oma, die man bereits mit Anfang 60 nur in Kittelschürze mit Dauerwellen-Kurzhaarfrisur kannte, in Jeans und Turnschuhen um die Ecke kommt. Das wäre völlig absurd gewesen. 
Heute hat der 50-jährige Converse an und geht in Electroclubs. Wo manche Djs bereits ebenfalls Ende 50 sind. Und das ist gut. Zumindest finde ich das ziemlich gut. Und hadere seltsamerweise überhaupt nicht mit dem Älterwerden der anderen, im Gegenteil. Das tue ich nur mit meinem eigenen Älterwerden.

Ich scheine mich definitiv an einem falschen Massstab zu orientieren. Weiss das im tiefsten Inneren eigentlich auch. Schaffe es aber nicht so richtig, mich dagegen zu wehren. Weil dieser neue Massstab einfach überall ist. Egal wo man hinschaut. Und die heile Welt unseres Social-Media-Daseins hat dieses eh schon verschobene Weltbild wahrscheinlich für uns alle, zumindest aber für mich, noch um einiges weiter verschoben. Leider in die falsche Richtung.

Alles scheint nur noch ein Wettbewerb und ein Schaulaufen zu sein. Und wer nicht dabei ist hat nichts verstanden. Und kann nichts. Wer nicht genug Follower hat ist nichts wert. Wer nichts leistet verdient auch keinen Erfolg. Und wer nicht mehr hinterherkommt bleibt eben auf der Strecke. Pech gehabt.

Komische neue Welt.

Aber hey was soll’s. Vielleicht hilft ja doch ein kleines leises und tapferes “So what!” Immerhin habe ich einen Anfang gemacht. So für mich.

Ich rede über mein Alter. Mit mir selbst. Und ich schaffe es bestimmt irgendwann mir selbst einzugestehen, dass ich eigentlich völlig okay bin, so wie ich bin. Ich werde nur einfach älter – so what! Ich muss nur erst einmal lernen damit umzugehen. Weiss allerdings nicht so recht wie. Aber da muss ich jetzt wohl durch. Vielleicht schliesse ich ja demnächst Frieden mit mir und meinem Geburtsjahr. Spätestens dann, wenns um die Gravierung auf meinem Grabstein steht. Denn dann ist es irgendwie auch schon egal.

honestly, why not?

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