Search and Error – auf der Suche nach Inspiration

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Ich habe gerade unzählige Blogs durchforstet auf der Suche nach Inspiration. Das mache ich normalerweise selten bis nie. Nicht, weil ich arrogant oder irgendwie narzisstisch veranlagt wäre und nur mich geil finde. Natürlich nicht. Ich finde einfach nur, hm, wie sage ich es jetzt ohne despektierlich rüberzukommen. Also ich finde einfach, dass alle Blogs, vor allem die gutbesuchten und gehypten, tatsächlich wirken wie Copypaste. So ganz nach dem Motto: “Kennste einen, kennste alle.”

Das tut mir jetzt wirklich ein wenig leid, aber ich muss es sagen – es war nicht einer dabei, der mich interessiert hätte. Ohgott, ich bin schrecklich. Dabei habe ich mich wirklich bemüht. Ich habe ganz genau geguckt. Tatsächlich nicht nur ein paar Einträge sondern eine Menge durchgelesen. Ich war interessiert. Wirklich. Aber ein Blog war wie der andere. Kein einziger Blog hat mich gefesselt oder inspiriert, nicht einer blieb mir im Gedächtnis. Es hat sich angefühlt wie das Durchblättern von alten Zeitschriften im Arztwartezimmer oder beim Friseur.

Dabei hatte ich mir sogar eine Liste gemacht. Mit all den Fragen, die mir gerade so durch den Kopf schwirrten. Oder mit Dingen, die ich immer schon mal machen wollte. Also Selbermachen. Ich wollte das, was ich sowieso schon immer selber mache oder koche oder backe vielleicht einfach besser machen. Noch besser. Vielleicht auch anders. Inspiration eben. Also ging ich ganz ohne Vorurteile denkfrei und erwartungsfrei an die Sache ran.

Geht gut eigentlich wirklich immer noch besser?

Wie mache ich mir ein Deo selber. Wie kann ich Plastikmüll vermeiden oder zumindest etwas einsparen. Wie schneide ich mir einen Pony selber. Wie backt man einen guten New York Cheesecake und wie backt man einen perfekten Cheesecake. Gibt es DAS perfekte Brownierezept? Wie krieg ich endlich Bagel selber so hin, wie man sie in NewYork an jeder Ecke kaufen kann. Welche Jeans passt zu welcher Figur. Wie stellt man beim Haare waschen von Shampoo auf Seife um, ohne zu verzweifeln. Wie mache ich mir einen BOHO Wandbehang mit Makramee. Wie richte ich ein kleines Loft so ein, dass es nicht zu vollgestopft und vor allem gemütlich wirkt. Solche Dinge.

Meine Fragen waren relativ belanglos, ich gebe es zu. Aber ich wollte keinen Bachelor in Raketenwissenschaften machen. Ich wollte einfach diese “Nur-so” Dinge wissen. Wie all die anderen das machen. Ob sie es besser machen. Ein paar Tipps bekommen. Anleitungen finden. Ideen bekommen.

Massentaugliche Individualität

Dabei ist mir jedoch, je länger meine Klickselei angedauert hat, irgendwann verwundert aufgefallen, dass es das nicht gibt. Nirgends. Dass tatsächlich so gut wie auf jedem Blog quasi dasselbe steht. Als gäbe es auf der Welt nur je ein Rezept. Einen Einrichtungsstil. Einen Modetrend. Eine Art, Deo selbst zu machen. Und das tausendfach kopiert. In ein anders Bild gerückt, anders fotografiert, anders formuliert – aber am Ende doch immer und immer wieder dasselbe. Kreative Massentauglichkeit eben. Ein Tipp für alle.

Influencer, die alle gleich aussehen. Alle mit demselben Filter, in derselben Hose, mit denselben Tipps. Und immer soll ich irgendwohin SWIPEN und dringend irgendwas LIKEN. Instagramaccounts die aussehen wie uninspirierte Werbeprospekte. Alles ist gleich, jeder macht dasselbe. Blogs sehen aus wie von der Stange. Massenware, belanglos, uninteressant und vor allem uninspiriert. Dafür vollgeballert mit Werbung. “Wir sind besonders, denn bei uns ist alles limitiert und nur für kurze Zeit zu haben.” So wie bei all den anderen übrigens auch. Aber bei mir ist alles besser. Ähm, nein.

Kennste einen, kennste alle

Ich dachte, darüber wären wir längst hinweg. Aber denkste. Die ganze Welt fügt sich in ein Bild. Frei nach dem Motto “Kennste einen, kennst alle.” Individualität von Unkreativen für all diejenigen, die auch dazugehören wollen. So wie jeder. Nur anders. Jeder will besonders sein. So wie all die anderen auch. Da stimmt am Ende doch aber irgendwas nicht. Und keiner merkts. Oder?

Heute ist auch so ein Tag. Der 22. 02. 2022. Heiraten wäre angebracht. Kinder kriegen. Wobei das damit jetzt wahrscheinlich etwas knapp werden wird. Heute sollte man Dinge tun, die niemand heute macht. Weil das Datum so besonders ist. Und man als besonders besonderer Mensch natürlich ganz dringend irgendetwas besonderes machen muss, was sonst keiner macht. Also heiraten. Hmmm…. Oder mit irgendetwas anfangen oder aufhören. Sich irgendwo anmelden. Irgendetwas anmelden. Sich tätowieren lassen. Am besten das Datum des Tages am Tag des Datums. Weil das später ja bestimmt einer merkt, dass das genau an diesem Tag gemacht wurde. Lalalaaaaa….

Wow, so special!

Würg.

Wie wäre es vielleicht mit einfach bleiben lassen? Weil es keinen Unterschied macht. Weil das Datum heute eigentlich auch nur ein Datum ist. Und morgen schon wieder vorbei ist. Ja, ich verstehe schon. Das Hochzeitsdatum bleibt für immer. Ist das so? Wir sprechen uns in ein paar Jahren. Geburtstag wär toll. Aber das bleibt ja wirklich nur denjenigen vorbehalten die nicht mal selbst darüber entscheiden konnten. Und kaum einer von uns kann ja jetzt an seinem eigenen Geburtstagsdatum noch irgendwas machen.

Es ist wie es ist.

Wir sind, wie wir sind.

Und der Tag ist eigentlich auch nur ein Tag wie jeder andere. So wie die meisten Instagramprofile. Oder TikTok Videos. Oder wie wir alle.

Es ist Dienstag. TWOSDAY. Der 22. 02. 2022. Und zufällig gerade 22.22 Uhr vorbei. Wow. Ein Zeichen. Ich geh mich dann mal schnell besonders fühlen.

honestly, why not?

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