STAYHOME DIARY Tag 20 ✗ Von egal und überwiegend Trübsinn.

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Heute ist alles ein bisschen egaler.

Ich liege auf dem Boden. Das ist nicht besser, aber egaler. Im Fernsehen läuft ein Bericht über leere Touristenorte. Dort jammern all diejenigen, die sich sonst immer über das Zuviel an Touristen aufgeregt haben darüber, dass zu wenig Touristen da sind.

Wir schaffen es nicht, über diese Widersprüchlichkeit mit dem Kopf zu schütteln. Es wäre sowieso umsonst.

Die Coronaküche hat heute Pizza im Angebot. Wahlweise mit oder ohne scharf. Wir nehmen Pizza mit und ohne scharf. Sie riecht gut.

Wir haben vergessen welcher Tag heute ist.

Der Kalender sagt Samstag, uns ist es egal. Wir liegen weiter einfach so auf dem Boden rum.

Ich würde gerne irgendetwas umsortieren. Dazu müsste ich mich allerdings bewegen. Ich hab jedoch grade vergessen, wie das geht.

Dieser Virus macht trübsinnig.

Irgendwo im Nirgendwo gehen viele Menschen in einem Baumarkt einkaufen, sagt uns ein Informationsmagazin im TV Gerät. Sie pinseln ihr Haus um, bauen einen Grillplatz, basteln ein Hochbeet, pflanzen Blumen, kaufen Dinge. Sind motiviert. Kaufen wie die Blöden. Tun, als wäre alles wie immer. Wahrscheinlich sind sie blöd.

Der Parkplatz ist so voll, dass die Polizei kommen und aufpassen muss. Wir gucken dabei zu, denken an Corona, denken an die Ansteckungsgefahr und verstehen nichts. Das ist alles so weit weg.

Der Baumarkt hat Schutzmassnahmen veranlasst und Installationen installiert. Alles in Klarsichtfolie eingewickelt. Sogar die Kassiererin. Niemand soll so jemanden anhusten, anpusten, anniesen oder anfassen können. Lediglich eine begrenzte Anzahl von Leuten darf in den Laden mit den kaufbaren Dingen. Es gibt Campingklopapier für 6,45 Euro. 4 Rollen, schnellauflösend. Systemrelevant. Sagt die Filialleiterin.

Ich muss sofort an Thorsten Sträters Systemrelefanten denken und ein bisschen lächeln.

Vor dem Laden steht eine grosse Anzahl Leute eng hintereinander in einer Schlange und wartet. Wahrscheinlich hat keiner Corona. Ich bin mir nicht sicher. Im Laden herrscht Abstand, vor dem Laden ist das wohl egal. Uns auch. Wir verstehen die Bilder, die wir sehen, sowieso nicht. Wieso können die Menschen nicht einfach mal eine begrenzte Zeit zuhause bleiben. Je mehr mitmachen, desto eher können wir doch vielleicht alle wieder etwas im “normal” leben.

Aber Blödheit ist ja ansteckend. Ich hatte es kurz vergessen.

Wir liegen immer noch einfach so auf dem Boden. Die Pizza war gut.

Ich fühle mich allein. Ich bin nicht systemrelevant. Egal. Wäre ich morgen weg, es würde niemandem auffallen. Das macht traurig. Aber es ist nun mal so.

Dieser Virus bringt einen jeden Tag ein bisschen mehr zu sich selbst. Leider oftmals mehr, als einem lieb ist.

Gestern war es nicht ganz so schlimm wie heute. Heut fühlt sich dieser Virus an, als hätte er nicht nur die ganze Welt lahm gelegt, sondern auch meine Kommunikationsfähigkeit. Mein Kopf ist leer bis obenhin.

Draussen wartet ein blauer Himmel darauf, dass wir ihn angucken. Wir dürfen aber nicht, sagen wir ihm. Er kann es nicht verstehen. Die Vögel zwitschern vorwurfsvoll. Wir zucken mit den Schultern und bleiben auf dem Boden liegen. Denn es ist egal. Und nicht systemrelevant.

honestly, why not?

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