STAYHOME DIARY ✗ Tag 4

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Nicht rausgehen zu dürfen ist wirklich eine Herausforderung. Vor allem, wenn man nicht einmal Spazierengehen darf.

Wir gehen noch einmal in den Supermarkt. Das Gefühl, das wir beim Rausgehen haben, wird immer unwirklicher. Als würden wir etwas Verbotenes tun. #stayathome beziehungsweise #wirbleibendaheim ist in unserem Kopf angekommen.

Und obwohl man eigentlich in ganz Österreich Spazierengehen dürfte, ist es hier bei uns anders. In Tirol werden die Regeln und Vorgaben strenger gehandhabt. Das ist auch gut so. Aber auch wenn das Einkaufen gehen erlaubt ist. Wir trauen uns kaum über die Strasse in den Supermarkt.

Keiner von uns hat Symptome. Wir fühlen uns auch nicht krank. Aber das muss bei diesem Virus ja nicht unbedingt was aussagen. Und deshalb schwingt immer ein kleines “und was wenn doch” in unseren Köpfen mit. Schliesslich will man niemanden anstecken.Was also, wenn das “was wenn” real wäre.

Wir gehen trotzdem in den Supermarkt. Wollen uns noch nicht völlig kirre machen lassen.

Vielleicht gibt es wieder Milch. Die gruselige H-Milch macht nämlich keine gute Laune. Und schlechte Laune ist derzeit kein Zustand, den man lange aushält.

Außerdem haben wir natürlich eine Flasche Sterillium in der Tasche. Unser mentales Schutzschild gegen diesen Endgegner. Blödsinnig zwar aber psychologisch durchaus wirkungsvoll. Und Teil unserer persönlichen Überlebens-Theorie. Ein Waschbecken mit in den Supermarkt zu nehmen erschien uns zudem einfach zu unpraktisch.

Natürlich fassen wir uns vor lauter Aufpassen, dass wir uns nicht allzu oft ins Gesicht fassen, ständig ins Gesicht.

Zitat: Nicht ins Gesicht fassen

Im Supermarkt sind alle nett. Wir versuchen Abstand zu halten. Leichter gesagt als getan. Man kommt sich vor wie auf der Autobahn, wenn man den vorgeschriebenen Abstand zum Vordermann einhalten will, sich aber ständig andere Autos dazwischenschieben und so den Abstand wieder verringern.

Die Milch lächelt uns aus dem Kühlregal an. Sie ist wieder da. Wir kaufen gleich vier Liter. Allerdings nicht, weil wir Hamster mögen, sondern weil wir das immer so machen. Auch das Klopapierregal scheint noch nicht endgültig vom Klopapier befreit. Ich sehe dort aus den Augenwinkeln ein paar Packungen erwartungsfroh liegen. Also was das anbelangt scheint wohl alles noch im grünen Bereich.

Die Medien berichten ununterbrochen von Hamsterkäufen. Mich nervt das bereits ein wenig. Denn sie verstehen nicht, dass sie durch diese Berichterstattung die Hamsterkäufe nur weiter fördern.

Warum so viel Klopapier gekauft wird will sich mir allerdings auch nicht so richtig erschliessen.

Vielleicht basteln sich einige bedingt durch die viele Tagesfreizeit oder durch DIY-Videos auf YouTube gefördert Klopapierschwäne? Gibt es eigentlich Klopapier-Origami? Und wenn ich mich an meine Kindheit erinnere liessen sich aus Klopapierrollen doch auch allerhand Dinge der Art basteln, die nur eine Mutter so wirklich schön finden kann.

In den Nachrichten hört man, Deutschland zögert immer noch mit seiner Entscheidung für eine Ausgangssperre. Die Wirtschaft und die Arbeitslosenstatistik scheint wie immer wichtiger zu sein.

Keiner möchte wohl so wirklich das ewige Lied vom Wirtschaftswachstum abstellen.

Blöd nur, wenn man zu lange zögert und am Ende niemand mehr übrig bleibt, der noch einkaufen gehen und Statistiken mit schwarzen Zahlen füllen kann. Wenn man länger dabei zuguckt, wie unterbelichtete Bevölkerungsgruppen dank akuter Beratungsresistenz in Krisenzeiten handeln, wird einem jedoch ganz mulmig zumute.

Coronaparties scheinen übrigens gerade der neue Trend zu sein. Echt jetzt? Waren wir früher eigentlich auch so blöd? Wollen wir mal hoffen, dass Blödheit nicht auch noch ansteckend ist.

Allerdings fürchte ich, sie ist es.

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