STAYHOME DIARY ✗ Tag 8

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Es ist Montag. Eine neue Woche beginnt.

Die Nachrichten berichten dasselbe wie gestern auch schon. Ausnahmezustand. Ausgangssperre. Steigende Zahlen infizierter Menschen. Weniger Tote. Das klingt kurz gut. Und reicht doch nicht für ein innerliches Aufatmen.

Draussen scheint die Sonne. Unsere Terrasse liegt noch im Schatten. Wir haben Frühling. Man sieht es an den Pflanzen vor unserer Terrasse. Die fangen an zu blühen. Hübsch. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint. Ich würde gerne raus gehen, nur um den Block und einfach so ein bisschen in der Sonne sitzen. Aber das zählt wohl derzeit nicht als wichtiger Grund. Hundebesitzer haben es da gerade etwas besser. Waldi und Co. zählen natürlich als wichtiger Grund.

Wenn ich über meine Worte nachdenke wird mir ein wenig übel. Steigende Zahlen infizierter Menschen. Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal so etwas schreiben muss.

Krisen gab es schon viele. Und wie man weiss, hat die Menschheit bis jetzt jede überstanden. Zumindest immer überlebt. Aber haben wir wirklich etwas daraus gelernt? Nicht, dass ich wüsste.

Ich fürchte eigentlich mehr das “Danach” als das “Jetzt”.

Denn ich bin jetzt schon davon überzeugt, dass irgendwann, wenn alles wieder gut ist, wir all das Leid sofort vergessen haben werden. Wir werden wieder genauso weitermachen wie zuvor. Alle werden wieder von Termin zu Termin rennen, Kinder werden wieder in Kindergarten und Hort “geparkt”, wir werden wieder auf Leistung und Arbeit fokussiert sein, werden wieder auf Wachstum setzen. Die Wirtschaft muss schliesslich stabilisiert werden. Überschuss muss produziert werden. Der Konsum angekurbelt.

Wir werden in Fitnessstudios rennen, wieder um die Welt fliegen. Die Menschheit wird wieder konsumieren, investieren, manipulieren, intrigieren, kapitalisieren. Und alle werden wieder vergessen haben, dass wir am Ende alle tot sind. Und zwar jeder von uns. Wir werden vergessen haben, dass nichts unendlich ist. Wir werden wieder verdrängen, dass wir alle sterblich sind und das Leben eigentlich aus ganz anderen Dingen besteht als aus Wirtschaftswachstum, Dividenden, Investitionen und Leistung. Dass das alles eigentlich keinen wirklichen Wert hat, wenn man nicht gesund ist, wird in unserer Gesellschaft wieder einmal nicht angekommen sein. Im Gegenteil.

Alles wird sein wie vorher und niemand wird etwas aus dieser Krise gelernt haben. Ausser diejenigen, die persönlich davon betroffen waren. Deren Angehörige daran gestorben sind.

Darf man eigentlich sagen, dass man denkt, dass diese Krise der Welt gut tun würde? So schrecklich sie auch ist. Wenn die Welt, und damit meine ich uns Menschen, wenn wir es kapieren würden.

Diese Krise wäre eigentlich die perfekte Chance für einen “Globalen Reset”. Und DIE Gelegenheit für ein ausnahmsweise mal wirklich nachhaltiges Umdenken.

Diese Krise ist unsere Chance. Und ich weiss jetzt schon, dass wir sie nicht nutzen werden.

Und auch wenn die Umstände ganz furchtbar sind, so sollten wir diesen Moment des weltweiten Shutdowns doch nutzen, um daran zu wachsen und etwas daraus zu lernen.

Aber was weiss ich schon. Ich geh ja nur so in meinem Kopf spazieren und da ist manchmal einiges los.

Urban-Street-Art-whyamisad

Gerade habe ich die Wohnung gesaugt. Jede Ecke. Jeden Fussel. Die Nachbarn putzen Fenster. Ich will meine Fenster nicht putzen. Ich hasse Fensterputzen.

Gleich werde ich einen Gugelhupf backen. Vielleicht stell ich das Rezept dazu online. Oder auch nicht. Ich bin gerade etwas unmotiviert. Habe ein Gefühl von “das ist doch alles umsonst, wer soll das schon lesen”. Aber das gehört wohl zu einer solchen Krise dazu. Dass man im ständigen Gefühlschaos schwebt.

honestly, why not?

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