STAYHOME DIARY: Stell dir vor da ist eine Pandemie und keinen interessiert’s.

Tag 36 ✗

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Regsames Treiben erwartet uns in der Stadt und auf den Strassen. Wir sind erstaunt. Es ist alles wie immer.
Überall Menschen. Wir sitzen in unserem Auto, die Stoffmasken lose ums Kinn gelegt, und stehen im Stau! Wieso sind so viele Menschen unterwegs? Sollten die nicht alle im Homeoffice sitzen? Okay, zugegeben, wir sind ja auch gerade unterwegs. Und trotzdem wundern wir uns.

Auf der ersten Autofahrt seit langem stellen wir uns die Frage, ob uns dieses “normal” wirklich gefehlt hat.

Wir sind uns nicht sicher, was wir davon halten sollen. An der Ampel begrüssen sich zwei Freundinnen mit einer innigen Umarmung. Auf dem Gehsteig fahren zwei kleine Jungs Fahrrad. Ein Stück weiter steht eine Gruppe von vier Personen eng um ein Handy gedrängt und starrt auf den Bildschirm. Wir scheinen da was missverstanden zu haben. War diese Geschichte mit einem Virus, der die Welt lahm legt, vielleicht doch nur ein schlechter Traum? Sind Roland Emmerichs Dreharbeiten für einen neuen Actionfilm, in dem ein tödliches Virus die Hauptrolle spielt, abgeschlossen?

Im Autohaus angekommen ist alles ausnahmslos freundlich. Jeder trägt Mundschutz, überall Plexiglasscheiben. Am Eingang begrüsst uns ein Ständer mit Desinfektionsmittel. Fast schon ein gewohntes Bild. Wie schnell man sich an das Aussergewöhnliche gewöhnt. Menschen ohne Mundschutz in einem geschlossenen Raum fallen sofort negativ auf und werden argwöhnisch beäugt.

Der Mundschutz scheint übrigens das neue It-Piece zu sein. Jeder guckt ganz genau, was das jeweilige Gegenüber im Gesicht trägt. Wir warten darauf, bis uns der erste Mundschutz von Chanel oder Luis Vuitton über den Weg läuft. Bisher haben wir noch keine Markenstoffmasken entdecken können. Aber das kann ja eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein.

Unser Termin findet statt. Wir können unser Auto in ein paar Stunden wieder abholen. Normalerweise würden wir jetzt in irgendein Café gehen oder uns eine Eisdiele suchen und etwas am Inn entlang schlendern.

Heute ist das jedoch anders. Heute ist Pandemie.

Wir wollen unser Auto erst am nächsten Tag abholen, dürfen aber aus hygienischen Gründen kein Ersatzauto leihen. Mit einem Taxigutschein vom Autohaus bewaffnet entscheiden wir uns dagegen. Ob Taxis nach jeder Fahrt desinfiziert werden? Aus hygienischen Gründen nehmen wir kein Taxi und gehen lieber zu Fuss. Es sind zwar knapp fünf Kilometer bis zu uns nach Hause, aber wir nutzen die Gelegenheit. Schliesslich waren wir so lange nicht mehr richtig draussen. Morgen können wir unser Auto wieder abholen. Wir werden wahrscheinlich wieder laufen. Sonne und Wind im Gesicht hat nie so gut getan wie in Zeiten von Pandemie und Ausgangssperre.

Falls du Lust hast, es gibt noch viel mehr von meinem Lockdown-Tagebuch. Wie alles begann kannst du hier nachlesen. Klick einfach auf das Bild.

honestly, why not?

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